Leon Reiner: Wellen

Eins deiner Ziele könnte Surfen Lernen sein.... 🏄

Hinweis: Dies ist einer von insgesamt zehn inspirierenden Gastartikeln aus Ein gutes Ziel. Danke dir Leon, für deinen schönen Artikel!

WELLEN

Von Leon Reiner

Ich und Ernst, der Macher des wunderschönen Buches, in das du gerade schaust [Anm. Ernst: Oder hier bestellen kannst.], teilen eine Leidenschaft. Das Surfen. Ich bin zwar nicht mutig genug, um mich mit meinem Brett in die Spree zu schmeißen, aber ins Meer schaffe ich es öfters mal. Als er mich fragte, ob ich etwas schreiben könnte für sein neuestes Projekt, hatte ich gerade einen Flug Richtung Wellen gebucht. Als ich das erwähnte, war die Entscheidung gefallen, worüber ich schreiben würde.


Als ich das erste Mal vom Surfen geträumt habe, muss ich noch ziemlich klein gewesen sein. Ich bin eine richtige Wasserratte. Meine Mutter behauptet, es liege daran, dass sie mich als Baby mal im Meer verloren habe. Ich sei dann ganz allein wieder hochgestrampelt. Als Kind konnte ich Tage damit zubringen, mich am Mittelmeer in die Brandung zu werfen. Die schönsten Tage im Urlaub waren nicht die 30 Grad­Sonnenschein­Sandburg­Tage. Es waren immer die Sturmtage. Wenn das Meer aufgewühlt war und ich mich immer und immer wieder in die Wellen werfen konnte. Mit 13 schaffte ich es dann, meine Eltern zu überzeugen, mich zusammen mit drei Freunden in ein Surfcamp in MolietsPlage in Frankreich zu schicken. Alleine mit dem Zug, einfach drauf los.


Ich war ein langer Schlacks, für den Brettsport nicht geeignet. Viel zu hoher Schwerpunkt, eher schlechte Koordination und auch nicht gerade der Fitteste. Aber als meine Eltern mich zwei Wochen später abholen kamen, war klar, dass ich wiederkommen würde. Peu à peu fing ich an, meine Freunde zu überreden, und als ich mit 17 mit meinem ersten Auto über den Sommer zum Surfen nach Frankreich fuhr, waren wir nicht mehr 4 sondern 20 Leute.


Als ich das nächste Mal anfing, Leute zu etwas zu überreden, habe ich eine Firma gegründet. Bei diesem Schritt war ich ähnlich unbedacht, wie bei meinen ersten Ferien in Moliets. Ich hatte nicht BWL studiert, und mit Zahlen war ich auch nie wirklich gut. Gründen war auch so etwas, was ich wollte, ohne genau zu wissen, warum. Aber als ich dabei war, wollte ich nicht mehr aufhören.


Wenn ich und Ernst uns übers Surfen unterhalten, fallen oft die gleichen Worte, wie wenn es um unsere Projekte und Ziele geht. Das liegt wohl daran, dass einem einige Eigenschaften, die man im Wasser lernt, den Weg zum Ziel erleichtern. Ich habe versucht, die wichtigsten für dich zusammenzutragen.

 

Zitat von Leon Reiner (Impact Hub Berlin)

 

1.Wille

Es geht immer zuerst ums Wollen, dann erst ums Können. Am Anfang steht immer ein Ziel. Ob man es in die Tat umsetzt, hängt davon ab, wie sehr man sich vom ‚Aber‘ hindern lässt. Wenn man sich in die Brandung schmeißt, gibt es eine einfache Regel: Wer es vom Strand aus nicht bis dahin schafft, wo die Wellen nicht mehr brechen, hat dort auch nichts verloren. Aber probieren kann es jede*r. Man muss nur wirklich wollen.Genauso ist es bei einem neuen Projekt. Es gibt immer zahllose ‚Aber‘­Momente. Ob du es schaffst oder nicht, erfährst du allerdings nur, wenn du dich traust, Dinge auszuprobieren. 

2. Rückschläge

Auf einen Rückschlag folgt aufstehen und nochmal probieren. Es gibt keinen Sport, bei dem man eine größere Frustrationstoleranz braucht, als beim Surfen. Wie viele Wellen, Salzwasser­Waschmaschinen und blaue Flecken hat es gebraucht? Auch nach 18 Jahren verletze ich mich noch oft. Auch nach so langer Zeit läuft noch immer vieles nicht so, wie ich es mir vorstelle. Aber das ist kein Grund aufzuhören. Es ist der Grund, immer und immer weitermachen zu wollen.Fehler machen, heißt lernen. Wenn du dich traust, etwas Neues anzupacken, lernst du dich mit jedem Fehler besser kennen und erfährst genau, wo deine Grenzen sind. Die Momente, wenn du dann etwas schaffst, sind die Belohnung. Tatsächlich sind es also die Rückschläge, die dich immer wieder dazu bringen, weiterzumachen, nicht die Erfolge.

3. Entscheidungen

Wenn man draußen auf dem Wasser sitzt, kann das ein herrlicher Moment sein. Es hat etwas Meditatives, auf den Horizont zu starren und einen Wellenhügel nach dem anderen auf sich zukommen zu sehen. Es geht darum, eine Welle entstehen zu sehen und dann genau das richtige Timing zu haben. Das kann manchmal ewig dauern. Wenn man sich aber für eine Welle entschieden hat, muss man alles geben, um sie zu kriegen. Zweifelt man, es schaffen zu können, hat man schon verloren. Die besten Wellen sind immer die, von denen man niemals gedacht hatte, sie noch zu kriegen. Aber dann hat man trotzdem alles gegeben und sie gekriegt. Neue Möglichkeiten und Ziele gibt es heute so viele, wie Wellen am Horizont. Sich genau zu überlegen, was man wirklich will, kann eine Weile dauern. Aber wenn du dich entschieden hast, dann lass dich nicht mehr von zu vielen Zweifeln abhalten. Manchmal muss man sich einfach entscheiden und sich selbst vertrauen.

4. Wesentliches

Sobald ich auf der Welle bin, kann ich alles andere ausblenden und mich ganz aufs Wesentliche konzentrieren. Ich vertraue darauf, dass ich im richtigen Moment das Richtige tue. Nachgedacht habe ich schon vorher lang und ausgiebig. In diesen Momenten, wenn alles zusammenkommt, muss ist mich ganz aufs Hier und Jetzt konzentrieren.Ein Plan funktioniert nur, wenn man ihm vertraut. Und wenn man sich darauf einlassen will, muss man sich darauf konzentrieren, was entscheidend ist. Alles andere muss man, zumindest für den Moment, ausblenden.

5. Gelassenheit

Vieles ist beim Surfen schwer zu beeinflussen. Man kann alle Wetterberichte checken. Man kann genau das richtige Material haben und für alles Ersatz. Aber am Ende ist das Wetter eben doch anders. Der Wind steht falsch. Die Wellen kommen ein paar hundert Kilometer weiter westlich an. Vorbereitung ist alles, und mit mehr Mitteln und mehr Zeit kann man die Chance verbessern. Aber ohne Demut und Gelassenheit gegenüber den Dingen, die man nicht beeinflussen kann, wird man verrückt.Auch wenn man ein Projekt umsetzt, gibt es oft Dinge, die man nicht beeinflussen kann. Das kann sehr frustrierend sein. Aber sich deswegen verrückt zu machen, hat keinen Sinn. Gelassen zu bleiben, hilft Energie für die richtigen und wichtigen Dinge zu haben.


Für mich waren all diese Erfahrungen, seit ich angefangen habe an meinem Unternehmen zu arbeiten, unglaublich wertvoll. Ich glaube, sie haben mir beigebracht, was Wille ausmacht. Dass es ohne Rückschläge keinen Erfolg gibt. Dass jede Entscheidung nur so stark ist, wie mein Vertrauen in sie. Wie wichtig die Konzentration aufs Wesentliche ist. Und dass es manche Dinge gibt, auf die ich einfach keinen Einfluss habe. Am Ende sieht alles so einfach aus. Ein Ziel ist wie eine Welle. Man sucht die perfekte. Aber es kommt immer die nächste. Und die perfekte erkennt man nur, wenn man schon mittendrin ist.

Viel Spaß auf deiner Welle!

Über den Autor

Leon Reiner ist Geschäftsführer des Impact Hub Berlin und ist verantwortlich für Business Development und Partnerships. Bevor er das Impact Hub Berlin gründete, arbeitete er in einem Beratungsunternehmen für Sozial­-Unternehmer*innen und durfte den ersten Inkubator für soziale Startups im deutschsprachigen Raum beim Aufbau begleiten. Leon hat einen Abschluss in internationaler Entwicklung und VWL. Wenn er nicht zu erreichen ist, findet man Leon meistens beim Sport, inmitten von Kochtöpfen oder versteckt hinter einem guten Buch. 
Leon Reiner Gastautor von Ein gutes Ziel

 

 


1 Kommentar

  • Flotte Schreibe, flotter Schreiberling. Bin stolz auf Dich! Genau meine Philosophie. Resilienz ist alles! Immer wieder ruff auf’s Pferd, lehrte mich schon Dein Opa selig.

    Dania Rabugl

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